Pressestimmen

Hubert Winkels, Deutsche Literatur 1997

Und eine Entdeckung ist sicherlich der in Moskau geborene Düsseldorfer Alexander Nitzberg, der viel von den Poeten des “Silbernen Zeitalters” der russischen Poesie gelernt hat.

 

Peter Rühmkorf, Die Zeit

Ja, dieser Nitzberg ist ein Traditionalist der klassischen Moderne, und er ist es sogar mit dem nötigen Kampfgeist, den die anfechtbare Stellung herausfordert. ... Was mich bei ihm fast noch mehr überrascht als seine Surprisereime, ist die origanische Schlüssigkeit seiner Bilder. Daß sich auf dem Feld des dichterischen Vergleiches alles mit jedem vergleichen läßt, ist uns spätestens seit dem Surrealismus leidig bewußt geworden. Allzuviel ist ungesund, und wem zuviel auf'm Haufen einfällt, erweckt den Eindruck von Diarrhö. Wo sich die Metapher freilich so locker aus der Wahrnehmung speist wie bei Nitzberg (wozu natürlich auch die Selbstwahrnehmung gehört), genießen wir im poetischen Gleichnißzauber sowohl die verwegene Selbstenthüllung als auch den zirzensischen Trick.

 

Matthias Politycki, Die Woche

Was passiert, wenn man sich anschickt, “das feurige Euter des Himmels” zu melken? Es regnet “Farben und Türkisch-Mokka herab aufs Blatt”! Jedenfalls bei Alexander Nitzberg, einem Nachfahren des Expressionismus, der in seinem Debüt nicht an surrealen Deftigkeiten spart, an rhythmisierten Wutausbrüchen und all dem verzweifelten Größenwahn des glücklos Liebenden: Schließt man beim Lesen die Augen, explodieren Litfaßsäulen, Schaufensterpuppen, ganze Städte. Nein, Nitzberg hat keine Angst vor fatalen Metaphern, vor Versmaß und Reim; berserkerhaft »unzeitgemäß« orgelt er sich durch die Zeilen, und mitunter gelingen ihm Verse, die nicht mehr interpretiert werden wollen, sondern ... mitgeflüstert, geliebt, auswendig gelernt.

 

Reinhard Lauer, Frankfurter Anthologie, FAZ

Er weiß ausnehmend viel darüber, wie man Gedichte macht. Er hat sein Handwerk bei Heinrich Heine, bei Peter Rühmkorf und nicht zuletzt bei den russischen Futuristen und Formalisten gelernt. Denn er schreibt deutsche und russische Gedichte; und er hat russische Dichter wie Igor Sewerjanin, Wladislaw Chodassewitsch, Daivd Burliuk und Maximilian Woloschin ins Deutsche übertragen – Dichter, die manch einer für unübersetzbar hielt. Nitzberg verkörpert jenen Dichtertypus, der seine bikulturellen Erfahrungen fruchtbar zusammenführt. Von Wladimir Majakowski, den er ebenfalls kongenial übersetzt hat, kommt zweifellos das gigantische, respektheischende Dichter-Ich, das sich selbst beim Namen nennt.

 

Nico Bleutge, Das Gedicht

Wenn zwei ausgewiesene Vortragsartisten wie Thomas Kling und Alexander Nitzberg fremde Gedichte rezitieren, kann man nur gespannt sein, ob sie sich auf die Texte einlassen, oder ob diese nicht plötzlich ganz nach Nitzberg klingen. Oder eben nach Kling. Erst recht, wenn es sich um Gedichte des russischen Futurismus handelt, einer Strömung also, die stark an oralen Traditionen ausgerichtet ist (wie das Schreiben Klings ...). Doch keine Spur von Einverleibung! Die Auswahl (neben Chlebnikow, Kemenski oder Majakowski werden auch eher unbekannte Autorinnen und Autoren vorgestellt) lebt von den vielschichtigen Interpretationen beider Sprecher. Nitzberg artikuliert deutlich und gedehnt, manchmal verzögert und beschleunigt er die Verse, singt, flüstert und zitiert mit rollender Zunge die russischen Originale. Kling kann säuseln, zischeln oder gibt den arroganten Dandy. So werden die sprachlichen Gebilde der russischen Avantarde als höchst sinnliche Körper erlebbar.

 

Bertram Job, Süddeutsche Zeitung, Magazin

Früher entstand in Düsseldorf bedeutende Literatur (Heine, Grabbe). Mit Heinrich Böll ist die literarische Vormacht nach Köln umgezogen – und dort residiert sie bis heute. Etliche bedeutende Verlage und einige Radiosender haben eine Infrastruktur entstehen lassen, die interessante Autoren anlockt – darunter Dieter Wellershof, Jürgen Becker, Dieter Kühn und Roland Koch. Dem hat Düsseldorf nur den halb gelungenen Bücherbummel an der Kö sowie die Lyriker Thomas Kling und Alexander Nitzberg entgegenzusetzen.

 

Olaf Cless, Düsseldorfer Hefte

Typisch Nitzberg ist die skurrile Bilderfantasie, in der Jakob van Hoddis und Christian Morgenstern nachzuklingen scheinen, in anderen Fällen auch das Morbide eines Charles Baudelaire..

 

Ralph Dutli, FAZ

Alexander Nitzberg hat die gelungene Nachdichtung besorgt, die ebenso witzig wie virtuos ist und frech zu Kopf steigt wie die ewigen Liköre. Wie geschickt er mit den Sewerjaninschen Spielereien umzugehen versteht, zeigt ein Gedicht wie “Ein magisches Quadrat” (1910) mit seinem vier Strophen lang gleichen Wortmaterial und doch ständig wechselnden Reimen.

 

Wolfgang Schlott, Orientierung

Die von dem renommierten Übersetzer und Dichter Alexander Nitzberg übertragenen Verse besitzen jene Plastizität und Versabilität, die es dem nur deutschsprachigen Leser ermöglicht, die Bandbreite der Gumiljowschen Poetik durchaus zu erfassen.

 

Felix Philipp Ingold, Neue Züricher Zeitung

Nie hat man Nitzberg beschwingter gesehen als hier bei Daniil Charms, den er nicht einfach übersetzt (und noch weniger bloß nachübersetzt), mit dem er vielmehr korrespondiert, dessen Schreibbewegungen er mitvollzieht und dessen vielfältigen Intonationen er im Deutschen zu entsprechender Echowirkung verhilft.

 

Norbert Wehr, Süddeutsche Zeitung

Nitzberg legt einen neuen Majakowski frei und bestätigt mit seinen Übersetzungen, was Hans Magnus Enzensberger einst konstatiert hatte: daß Majakowski nämlich nicht veralten könne, und daß, wo er erscheine, immer Überraschung sei. Bravo! Nitzberg! Zuu-gaa-bee! ist man versucht, ihm zuzurufen. Weiter so.

 

Michael Braun, Frankfurter Rundschau

Unterter den bedeutenden Literaturübersetzern aus dem Russischen ist der Dichter Alexander Nitzberg gewiß der streitlustigste.  Wer sich die derben Angriffe ansieht, die der 1969 in eine Moskauer Künstlerfamilie hineingeborene Autor seinen Kollegen widmet, kann den prekären Eindruck gewinnen, hier werde mutwillig ein Verdrängungswettbewerb gestartet. Die meisten kanonischen Übersetzungen moderner russischer Poesie verwirft Nitzberg als mehr oder minder fehlerhafte Freveleien am Urtext. ... Daß die poetische Haß-Energie und die ästhetische Virtuosität des frühen Majakowski uns auch heute noch erreichen, ist ein unzweifelhaftes Verdienst der Nitzberg-Übersetzung. Tatsächlich gelingt es dem Übersetzer, für die von ihm präzis analysierte Reimtechnik Majakowskis mit ihren vielfach verschlungenen Binnenreimen und Assonanzen sehr dynamische und bildkräftige Entsprechungen zu finden.

 

Alfons Huckebrink, Neues Deutschland

Eben dieser Strenge, als Voraussetzung des schöpferischen Akts unabdingbar, nimmt sich der Dichter, Übersetzer und Publizist Alexander Nitzberg in seinem in dieser Form und Fülle einzigartigen “Lyrik-Baukasten” an. Durch sieben Kapitel exerziert er die hohe Schule dichterischen Schreibens.

 

Sandra Kerschbaumer, FAZ

Schon Benn sprach so nüchtern von seiner dichterischen Tätigkeit. ... Nitzberg gelingt es durchweg, wesentliche Phänomene anschaulich vorzustellen, ohne sich dabei ins Detail zu verlieren. In großen Linien und einem eingängigen Ton informiert er über klangliche und rhythmische Strukturen, den Umgang mit der Metaphorik, über klingende Kadenzen und sapphische Odenstrophen. Außerdem präsentiert er zahlreiche Übungen, die dort, wo sie auf sprachliche Sensibilität und Fingerfertigkeit zielen, auch erklärten Nicht-Dichtern plausibel erscheinen. Am deutlichsten tritt der Dichter Alexander Nitzberg hervor, wenn es um die Gegenwart geht, denn hier will er sich positionieren. Er überzeugt mit einem gut argumentierenden Plädoyer für die gebundene Sprache.

 

Hans-Herbert Räkel, Süddeutsche Zeitung

Nitzberg möchte eine “mythische” Übersetzung machen. So nannte Novalis Übersetzungen, die “nicht das wirkliche Kunstwerk, sondern das Ideal desselben” geben. Daß ihm dies so oft gelingt, macht die Lektüre zum reinen Genuß. ... Der Nachdichter darf sich auch immer wieder einmal erlauben, seiner Übersetzung einen Ton zu geben, mit dem er augenzwinkernd sagen kann, wie virtuos er übersetzt. Einmal entschuldigt er sich sogar dafür ...

 

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